Eines führt zum anderen... Nicole Félicia Brémond - Elisabeth Czihak

Arbeiten auf Papier - Fotografie

29.08.2013
01.10.2013

Der Versuch, den Moment von Transzendenz mit den Prinzipien der Reduktion festzuhalten: das könnte das Verbindende in der Arbeit von Nicole Félicia Brémond und Elisabeth Czihak beschreiben. Beide sind einem erweiterten Zeichnungsbegriff verpflichtet; für beide steht die intensive Auseinandersetzung mit dem Zeichnen im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit, in der immer wieder die Möglichkeiten und Grenzen des Materials und der Gedankenräume neu ausgelotet werden.

Nicole Félicia Brémond arbeitet seit jeher abstrakt, Ihre Zeichnungen, die mit Tusche und Pinsel, Graphit- und Buntstiften auf verschiedenen Sorten Papier entstehen, sind der Ausdruck eines inneren Zustands, der immer wieder um einen bestimmten Punkt kreist und so aus verschiedenen Perspektiven untersucht wird: es ist eine Aufzeichnung individueller und emotionaler Erfahrung, in die philosophische Fragestellungen einfliessen. Im feinen Spiel zwischen weichen Tuschpinsel-Strukturen und zarten Graphitlinien schafft sie Werke, die die Verletzlichkeit menschlicher Existenz thematisieren und zugleich der Vorstellungskraft neuen Raum öffnen.

In Ihren Gedankengängen kreist Elisabeth Czihak um das nicht mehr Vorhandene, das kaum mehr Sichtbare: sie spürt in ihren Fotoarbeiten seit vielen Jahren verlassenen Orten nach und setzt sich dabei gleichzeitig mit dem Thema der Aneig-nung auseinander.
Die dokumentarisch und zugleich konzeptuell anmutenden Fotoarbeiten der aktu-ellen Suite „Looking for Rietveld“, entstanden 2011 in einem der vier von Gerrit Rietveld für die Werkbundsiedlung Wien entworfenen Häuser, damals leerstehend und kurz vor der Renovierung: sie zeigen angeschnittene Räume, aus denen Czihak bestimmte Elemente von Rietvelds Formensprache, seines Umgangs mit Proportionen und dem Raum aufgreift. Die Künstlerin bezeichnet sie als eine Art „zeitgenössische Archäologie".- In den nachfolgend entstandenen Zeichnungen spürt Elisabeth Czihak in immer dichter sich überlagernden komplexen Linienstrukturen den Perspektiven des Raumes nach: sie macht so die Erfahrung und Erinnerung an diesen Ort physisch erlebbar. Der gezeichnete Raum wird in Bewegung gebracht, entspricht einer geistigen Rekonstruktion, ohne jedoch ein Erinnerungsbild zu hinterlassen: der photographisch erfasste Raumausschnitt geht in eine neue fiktive räum-liche Situation über. - Ergänzt und erweitert wird diese konzeptuelle Bildfolge durch eine eigens für diese Ausstellung entstandene Wandzeichnung.