Jochen Proehl "Anatomie der Landschaft"

Photographie

13.11.2010
18.12.2010

Wir laden Sie und Ihre Freunde ein zur Vorbesichtigung der Ausstellung am Freitag,dem 12.11.2010, 18-21 Uhr
Der Künstler wird anwesend sein.

Ausstellungsdauer: 13.11. – 18.12.2010
Öffnungszeiten: Di-Sa 12 – 18 Uhr u.n.V.

Vor dem Hintergrund des Europäischen Monats der Fotografie in Berlin zeigt die Galerie Seitz & Partner einen aktuellen, konzeptionell entstandenen Arbeitszyklus von Jochen Proehl, der in Berlin und Istanbul lebt und arbeitet. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Arbeiten, in denen sich aus den Formenwelten des Mikrokosmos eine neue, experimentelle Bildästhetik entwickelt, eine zwischen wissenschaftlicher Präzision und freier künstlerischer Bildfindung oszillierende Gattung der Fotografie.

In seinen früheren fotografischen Arbeiten hat Jochen Proehl vorgefundene Bodenstrukturen mit der Camera Obscura in eine landschaftlich monumentale Dimension transformiert. Nunmehr sind es Eingriffe ins Erdreich, die er selber vornimmt. Dabei bildet er in seinem aktuellen Werkzyklus „Bosporus“ reale geografische Landschaften im Modell nach. In diesen Fotografien, die er mit einer digitalen Camera Obscura aufnimmt, zeigen die Landschaftsmodelle eine allgemeine Beschaffenheit der Erde, wie sie sich hinter der individuellen Ansicht einer bestimmten Landschaft verbirgt. Diese erscheinen wie aus dem All fotografiert, fern, menschenleer und ohne jede Spur von Zivilisation.
Die Frage nach der Realität des Dargestellten erfährt so eine doppelte Beantwortung: es gibt hinter der dargestellten Landschaft immer noch ein Weiteres: die Grundsätzlichkeit ihrer Anatomie.

Jochen Proehl konfrontiert den Betrachter mit Zuständen, die in der Natur nicht sichtbar sind, ihre Erscheinungen aber bedingen – nicht nur in den von Menschenhand geschaffenen Landschaften. Seine Fotografien liefern virtuelle Hinweise, Fragen nachzugehen, die die unmittelbare Umgebung des Menschen betreffen.

„... Um diese Verallgemeinerung des Gesehenen geht es mir: um eine andere Realität hinter der Bildoberfläche … Die ältesten Weltbilder der Menschheit thematisieren Vorstellungen vom ewigen Kreislauf des Lebens und Vergehens, den die Erde im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. So gesehen ist die Erde denkbar als ein durchblutetes Organ. Und wenn ich ein Loch in der Straße sehe oder einen Sandhaufen, dann sehe ich immer auch das gemeinsame Organ, das für mich dann sichtbar anwesend ist …“ (Interview Jochen Proehl, Financial Times Deutschland, 2008).

Jochen Proehl, 1958 in Lübeck geboren, wuchs in Istanbul auf. Er studierte Bildende Kunst an der Hochschule der Künste, Berlin. Er erhielt zahlreiche Ausstellungen, Stipendien und Lehraufträge. Er lebt und arbeitet in Berlin und in Istanbul, wo er an der Fakultät der Bildenden Künste der Okan-Universität lehrt.