Jochen Proehl - Zeichen und Spur: Schichtungen <Istanbul>

- Malerei und Photographie

02.12.2011
21.01.2012

Erdstrukturen, das Zusammentreffen zweier tektonischer Schichten und deren Auswirkungen im geologischen Raum Istanbuls ist seit einigen Jahren Fokus im Oeuvre Jochen Proehls.Er nähert sich seinem Thema von zwei Seiten. Zum einen auf photographischem Weg, für den er eine Camera Obscura verwendet. Zum anderen durch den Versuch, es mittels Malerei zu erfassen: in einer direkten, fast gestisch-zeichenhaften Form.

Der – vermeintlichen – Unmittelbarkeit der Photographie geht ein langer vorbereitender Arbeitsprozess voraus. In der Herangehensweise ist er auf den ersten Blick verwandt zur konstruktiv-analytischen Land Art: Landschaftsformationen werden simuliert, ein Phänomen durch den Nachbau versucht anschaulich, ja begreifbar zu machen. Die Photographie dieser vergänglichen Installation ist das, was bleibt. Mit der Eigengesetzlichkeit der Camera Obscura gerinnt es zu einem zeit- und dimensionsfreien Macro - Microkosmos.

Die diesem Prozess gegenüber sehr viel freiere malerische Aneignung der Gegebenheiten der Risse, Brüche, Verschiebungen, der Spurensuche ist Schwerpunkt dieser neuen Ausstellung. Sie geben den Blick frei - und dies zugleich auch in einer gewissen Distanz -auf eine andere Realität hinter der Bildoberfläche.

War der erste Teil der Ausstellung vor genau einem Jahr der Photographie gewidmet, steht jetzt die Malerei im Mittelpunkt - mit Querverweisen zum Photographischen, das in einem Jahr eine Weiterentwicklung erfahren hat!

Jochen Proehl, 1958 in Lübeck geboren, wuchs in Istanbul auf. Er studierte Bildende Kunst an der Hochschule der Künste, Berlin. Zahlreiche Ausstellungen, Stipendien und Lehraufträge folgten. Heute lebt und arbeitet er wieder vorwiegend in Istanbul, wo er an der Fakultät der Bildenden Künste der Okan-Universität lehrt.