Ludwig Vandevelde "Pietà" - im Raum für Kunst, Aachen 4.9. - 16.10.2010

Die "Mater Dolorosa" ist hier zur trauernden Bürgerin von heute mutiert, sie sitzt, den Blick in die Weite gerichtet, würdevoll aufrecht in leichter Schrittstellung, so, als wolle sie sich erheben. Die Fingerhaltung ihrer linken Hand auf dem Schoß erinnern an den Segensgestus von Christus, mit der anderen Hand schließt sie, jede sexuelle Assoziation vermeidend, züchtig den Rock. Die mütterliche Figur, der ihr toter Sohn abhanden gekommen ist, ist autark und verinnerlicht persönliches wie kollektives Leid. Vandevelde sieht sich selbst im Fluss der Kunstgeschichte, diese liefert ihm immer wieder Nahrung für Innovationen. Deutlich ist dies zu erkennen an einem kleinen massiven weiblichen Kopf, dessen Formulierung auf seine Auseinandersetzung mit Giovanni Lorenzo Berninis "Verzückung der Heiligen Theresa" zurück zu führen ist. Mit einem rund geöffneten Mund lässt Vandevelde ähnlich wie sein bewunderter Ahnherr das barocke Pathos von mystischer Entrückung ein wenig in sexuelle Wollust umschlagen, denn den Aufzeichnungen der Heiligen selbst zufolge liegt in der Schmerzerfahrung auch eine "unendliche Süße".

(Auszüge aus dem Katalogtext von Renate Puvogel)